Artikel: W. Fischbach

Helicobacter pylori - Ein ernst­zunehmendes Gesundheitsrisiko

Die Besiedelung des Magens mit dem Helicobacter pylori (H. pylori) ist gar nicht so selten. Wissenschaftler gehen von einer Durchseuchungsrate von bis zu 50 Prozent aus. Der 1983 entdeckte Magenkeim kann neben chronischen Magenbeschwerden Geschwüre (Ulzera ventrikuli und duodeni), Magenkarzinome und MALT- (mucosa-associated lymphoid tissue) Lymphome verursachen. Daher sind eine rechtzeitige Diagnostik des H. pylori und bei einem Nachweis die Eradikation erforderlich.

Entscheidender Schritt zur Heilung – der Keimnachweis

PhotoÖtzi hatte bereits vor 5300 Jahren eine H. pylori-Infektion (Ötzi; mit freundlicher Genehmigung Archäologisches Museum, I-Bozen) Die ersten Schichtgitterantazida zur symptomatischen Behandlung der säurebedingten Magenerkrankungen waren in den 1960er und 1970er verfügbar. Sie lösten die konventionellen Antazida ab, die mit zahlreichen unerwünschten Wirkungen behaftet waren. Parallel dazu verbreitete sich die Rollkur. Dazu nahmen die Patienten nüchtern eine breiige Arzneimittel-Suspension ein, legten sich ins Bett und wechselten – im Sinne der Rollkur- wiederholt ihre Position. Auf diese Weise verteilte sich das Arzneimittel gleichmäßig auf der gesamten Magenschleimhaut, wo es die Magensäure neutralisieren sollte. Ab Ende der 70er Jahre versank die Rollkur in die Bedeutungslosigkeit. Nun wurde die Markteinführung der H2-Blocker (1976) und der Protonenpumpenhemmer (1988) gefeiert. Mit ihnen lässt sich die körpereigene Produktion der Magensäure effektiv drosseln und damit zugleich ihr schädlicher Einfluss auf die Magenschleimhaut ausschalten. Unter dieser Medikation erlebten Millionen von Patienten endlich eine eminente Linderung ihrer Magenbeschwerden, so dass diese Arzneimittel zu den ersten Blockbustern avancierten. Geheilt waren die Patienten damit aber nicht.

Eine Heilung erschien erst greifbar, nachdem das Bakterium Helicobacter pylori (H. pylori) als Magenkeim 1983 entdeckt wurde. Er wurde als Ursache für Gastritis, Magengeschwüre und Magenkarzinom 1989 allgemein anerkannt. Das spornte die Suche nach einer Therapie an, mit der man den Magenkeim eradizieren und so die Krankheit heilen konnte. Es wurde ein Erfolg: Heute wird zur Keimeradikation eine Arzneimittelkombination eingesetzt, mit der Heilungsraten von über 80 Prozent erreicht werden. [1]

Signifikante Prävalenz der Helicobacter Infektion

Patienten, die mit dem Magenkeim H. pylori infiziert sind, tragen ein erhöhtes Risiko für ihre Gesundheit. Etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland ist mit H. pylori infiziert. Die Durchseuchungsrate liegt bei Personen im Alter unter 30 Jahren zwischen 19 % (Frauen) und 25 % (Männer), bei über 30-jährigen bei 35 % beziehungsweise 55 % und im Alter über 65 bei 69 % bzw. 90 %. Zuwanderer aus den arabischen, süd- und osteuropäischen Siedlungsgebieten weisen in allen Altersstufen eine deutlich höhere Durchseuchung auf als die mitteleuropäische Bevölkerung. Aufgrund der zunehmenden hygienischen Standards nimmt die Durchseuchung der Bevölkerung zwar kontinuierlich ab, ist aber weiterhin bedeutsam. [2]

Unspezifische Beschwerdebilder

Die meisten Individuen, deren Magen vom H. pylori besiedelt ist, haben keinerlei Beschwerden. Personen aus den folgenden Risikogruppen sollten laut S2k-Leitlinie „Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit“ der „Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs,- und Stoffwechselkrankheiten“ (DGVS) [3] vom Februar 2016 getestet und bei positivem Ergebnis behandelt werden:

  • Patienten mit Symptomen, die auf eine Gastritis oder auf Ulzera im Magen oder im Zwölffingerdarm hinweisen.
  • Nahe Verwandte von Magenkrebspatienten oder Personen, die bereits einen Magentumor hatten – auch wenn sie keine Beschwerden haben.
  • Personen, die länger als ein Jahr Protonenpumpenhemmer zur Hemmung der Magensäureproduktion einnehmen, z. B. zur Behandlung von Sodbrennen bei der Refluxkrankheit.
  • Patienten, die auf eine dauerhafte Medikation mit ASS oder nicht-steroidalen Antirheumatika eingestellt werden sollen, denn die Beseitigung des H. pylori kann ihr Risiko für Magengeschwüre und -blutungen senken.


Der Magenkeim führt zur Ausbildung einer chronischen Gastritis. Auf diesem Boden können sich Magen- und Duodenalulzera, das Magenkarzinom, das gastrale MALT-Lymphom und die Dyspepsie als häufigste der mit einer H. pylori-Infektion assoziierten Erkrankungen entwickeln. H. pylori gilt als wesentlicher Risikofaktor für das Magenkarzinom. Darin stimmen alle Konsensusreporte und Leitlinien überein. Obwohl die Neuerkrankungen an Magenkrebs in den vergangenen 50 Jahren zurückgegangen sind, erkranken in Deutschland im Jahr immer noch 22 bis 25 Tausend Personen daran. [4]

Auch die Dyspepsie (Reizmagen), die mit Schmerzen oder Druck im Oberbauch, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen einhergeht, wird mit H. pylori in Verbindung gebracht. Dies gilt auch für die idiopatische thrombozytopenische Purpura (ITP), den Morbus Menetrier, die lymphozytäre Gastritis und manche Eisenmangelanämien.

Diagnostik und Therapie

PhotoTestgerät Firma Kibion Ob eine Infektion mit H. pylori behandlungsbedürftig ist, hängt von Risikofaktoren und der Symptomatik ab, die in der aktuellen „S2k Leitlinie“ ausführlich beschrieben sind. Zur Therapieentscheidung sollte man sich stets auf diese Leitlinie stützen. Eine bloße Annahme einer H. pylori-Infektion, auch wenn sie noch so wahrscheinlich ist, rechtfertigt noch keine Behandlung. Vielmehr ist vor jeder Therapie die Diagnose zu sichern; dazu ist der Nachweis des Keimes zu führen.

Der Nachweis einer H. pylori-Infektion erfolgt im Allgemeinen durch eine histologische Untersuchung einer Gewebsprobe, die während einer Gastroskopie ­entnommen wurde. Aber auch ohne Magenspiegelung kann H. pylori durch einen 13C-Harnstoff-Atemtest oder durch einen Stuhlantigennachweis diagnostiziert werden. Ist H. pylori nachgewiesen, wird die Infektion behandelt. Hierzu bieten sich eine klassische Tripeltherapie mit einer Kombination aus einem PPI, Clarithromycin und Amoxicillin oder Metronidazol über 7 Tage [2] an. Alternativ kann eine Bismuth-­basierte Quadrupeltherapie angeboten werden. Für den Therapieerfolg sind die persönliche Aufklärung des Patienten über die Medikamenteneinnahme und die Motivation zur Therapietreue notwendig.

Eradikationskontrolle

Mit verschiedenen Verfahren kann eine Kontrolle des Eradikationserfolges erfolgen. Der serologische Antikörpertest ist für eine klinische Diagnostik ungeeignet. Er zeigt nur an, dass die Person irgendwann mal einen Kontakt mit H. pylori gehabt hat, sagt aber nichts über den aktuellen Infektionsstatus aus. Nach einer umfassenden Cochrane Literaturanalyse hat unter den nichtinvasiven Verfahren der Atemtest die beste diagnostische Genauigkeit.

Kosteneffektiver Atemtest

Die Behandlungskontrolle nach einer Eradikationstherapie sollte nach der DGVS mit einem Verfahren erfolgen, das dafür hinreichend validiert, verlässlich sensitiv und spezifisch ist. All diese Anforderungen erfüllt der Harnstoff-Atemtest, auch 13C-Atemtest genannt. Er ist wegen seiner hohen Sensivität und Spezifität als maximal zuverlässig und wird vom „Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e. V.“ (bgn) als einzige nicht-invasive Diagnostik genannt. In der DGVS-Leitlinie ist er mit einer „starken Empfehlung“ ausgestattet.

Zur einfachen und zeitsparenden Anwendung in der Praxis für den Arzt wurde der Harnstoff Atemtest Diabact® UTB der Firma Kibion GmbH entwickelt. Diabact® UTB ist zur primären Diagnose von Helicobacter pylori Infektionen und zur Nachbehandlungskontrolle perfekt geeignet und hat sich als zuverlässig präzise, sicher und kosteneffektiv bewährt.

Der Diabact® UTB Test lässt sich leicht vom Patienten, ggf. mit Unterstützung des medizinischen Personals, durchführen. Dafür ist keine spezielle Ausrüstung, Ausbildung, Erfahrung, Testvorbereitung oder Testmahlzeit erforderlich. Die Testpackung enthält alles, was zur Entnahme der Proben und ggf. für die Versendung zur Laboranalyse benötigt wird.

Zunächst atmet der Patient zwei Atemproben in die Basisröhrchen aus. Anschließend nimmt er eine 50 mg Diabact® UTB Tablette ein. Nach einer Wartezeit von 10 Minuten gibt der Patient erneut zwei Atemproben in die Proberöhrchen ab Alle Röhrchen werden in die Verpackung zurückgelegt und zur Analyse in ein Labor geschickt. Das Testprocedere wird auf ein Drittel der Zeit verkürzt und verbessert die Abläufe in der Praxis.

Die Diabact® UTB Tablette enthält Harnstoff, der mit nicht-radioaktivem 13C-Isotop markiert ist. Die feste Tablettenzusammensetzung minimiert falsch positive Ergebnisse in frühen Arbeitsproben durch die Vermeidung der Harnstoffspaltung im Mund oder auf dem Weg zum Magen. Das maximiert die Zuverlässigkeit des Tests, der eine Sensitivität von 99 % und eine Spezifität von 100 Prozent erreicht. 

Literatur beim Verfasser

Professor Dr. med. Wolfgang Fischbach
Vorsitzender der Gastroliga
Gastroenterologie und Innere Medizin Aschaffenburg
Elisenstr. 44, 63739 Aschaffenburg
prof.w.fischbach@gmail.com 

Datum: 23.09.2019

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2/2019