Artikel: R. Schneider und V. Scheerer

Die Abteilung JMed des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr

Aus dem Einsatzführungskommando (Befehlshaber: Generalleutnant E. Pfeffer)

Seit 2001 plant und führt das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) im Auftrag des Generalinspekteurs der Bundeswehr unmittelbar auf operativer Ebene die Einsätze sowie anerkannte Missionen der Bundeswehr im Ausland. Um die nationale Führung aus „einer Hand“ zu gewährleisten, werden die Truppenteile mit der Verlegung in das Einsatzgebiet dem Befehlshaber EinsFüKdoBw unterstellt. Die Teilstreitkräfte (TSK) und Organisationsbereiche (OrgBer) haben die Aufgabe, Kräfte und Material für den Einsatz zur Verfügung zu stellen und sind somit auch dafür verantwortlich, ihr Personal für den Einsatz auszubilden und das Material einsatzbereit bereit zu halten.

PhotoWappen EinsFüKdoBw Vorgaben der Politik und Weisungen des BMVg werden in der operativen Befehlsgebung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr umgesetzt. In sogenannten operativen Fähigkeitsforderungen (OFF) werden detailliert Fähigkeiten formuliert, die durch die TSK und OrgBer als personelle und materielle Truppensteller für den Einsatz vorgesehen werden. Planungs- und Truppenstellerkonferenzen dienen der Neuaufstellung sowie Folgeplanung der deutschen Einsatzkontingente im Einsatz. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr hat darüber hinaus beim ressortübergreifenden Nationalen Risiko- und Krisenmanagement zum Schutz deutscher Staatsbürger in Notlagen im Ausland eine Schlüsselrolle. Ist aufgrund einer eskalierenden Lage im Krisengebiet die Durchführung einer Diplomatischen Evakuierung in Verantwortung des Auswärtigen Amtes nicht mehr möglich, wird eine bewaffnete Militärische Evakuierungsoperation durch das EinsFüKdoBw geplant und geführt.

Der Leitende Sanitätsoffizier (LSO) des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, der in Personalunion auch Leiter der Abteilung JMed ist, führt die LSO in den Einsätzen fachdienstlich, berät den Befehlshaber des EinsFüKdoBw in allen sanitätsdienstlichen Angelegenheiten des Einsatzes sowie den Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in allen fachdienstlichen Angelegenheiten des Einsatzes. Zudem übt er Disziplinarbefugnis im Fachdienst aus. Die Abteilung JMed bearbeitet dementsprechend übergreifend alle sanitätsdienstlichen Einsatzfragen. Insbesondere plant und führt sie die sanitätsdienstlichen Fähigkeiten im Einsatz unter der Vorgabe der Maxime des Sanitätsdienstes. Nach dieser soll im Falle einer Erkrankung, eines Unfalles oder einer Verwundung im Auslandseinsatz eine Versorgung gewährleistet werden, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht. 

PhotoGliederung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr Bei der Ausplanung der sanitätsdienstlichen Versorgung im Einsatz sind die sanitätsdienstlichen Fähigkeiten multinationaler Partner sowie die Rahmenbedingungen der Host-­Nation zu berücksichtigen. Um die sanitätsdienstliche Unterstützung bruchfrei entlang der Rettungskette zu gewährleisten, müssen sich das sanitätsdienstliche Personal und Material am Einsatzumfeld sowie an den spezifischen Anforderungen und Bedingungen der zu versorgenden Truppe ausrichten. Materialfolgeversorgung, die Gewähr­leistung der Lebensmittel- und Trinkwassersicherheit, Arznei­mittel- und Medizinproduktesicherheit, veterinärmedizinische Versorgung sowie betriebsärztliche Versorgung runden das vielfältige Aufgabenspektrum ab. Das jeweilige sanitätsdienstliche Lagebild in den Einsatzgebieten wird über eine regelmäßig stattfindende Kommunikation mit den Leitenden Sanitätsoffizieren in den Einsatzgebieten ermöglicht. Hierbei umfasst das Lagebild sowohl die Gesundheitslage des Kontingentes, schwere Erkrankungen, Verletzungen oder Verwundungen einzelner Soldatinnen und Soldaten, die Lage des sanitätsdienstlichen Personals und Materials im Einsatz sowie den Einsatz der sanitätsdienstlichen Mittel im Rahmen der jeweiligen Operationsführung vor Ort. Mit regelmäßigen Dienstreisen in die Einsatzgebiete wird eine jederzeitige beratende Unterstützung des Sanitätsdienstes sowie die fachliche Führung des Sanitätsdienstes im Einsatz gewährleistet.

Zur Erfüllung dieser Aufträge bestehen intensive Arbeitsbeziehungen zu den Unterabteilungen im KdoSanDstBw, dem Kdo SanEinsUstg, dem BAIUDBw, BAAINBw sowie zu den General- und Admiralärzten der TSK und MilOrgBer.

PhotoGliederung der Abteilung JMed Die Abteilung JMed gliedert sich in zwei Referate: „Einsatz“ und „Wehrpharmazie“. Insgesamt 12 Sanitätsoffiziere, ein Truppenoffizier, vier Fachdienstoffiziere, vier Sanitätsunteroffiziere sowie ein Stabsdienstsoldat sind Angehörige der Abteilung JMed.

In der Abteilung Spezialoperationen des EinsFüKdoBw sind weitere zwei Sanitätsoffiziere sowie ein Sanitätsunteroffizier eingesetzt. Diese stellen als Bevollmächtigte JMed die arbeitstägliche Verbindung zu den fünf Einsatzgruppen, zum Referat Beobachtermissionen, zur Arbeitsgemeinschaft Landes-/ Bündnisverteidigung und zum Referat Nationale Krisenvorsorge sicher und sind ebenso hierzu mit Kdo SanDstBw, Kdo SanEinsUstg sowie BMVg Abteilung Strategie und Einsatz in regelmäßigem Kontakt.

Der LSO EinsFüKdoBw mit seiner Abteilung JMed nimmt eine unverzichtbare „Scharnierfunktion“ auf operativer Ebene für die gesamte Bandbreite sanitätsdienstlicher Einsatzaspekte wahr. Wesentlich für die Aufgabenerfüllung ist es, die militärstrategischen Absichten und die fachlichen Vorgaben des Inspekteurs des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sowie die Fähigkeiten des Sanitätsdienstes in einsatzorientierte Handlungsanweisungen für die taktische Ebene in den Einsatzgebieten umzusetzen. Die Herausforderung besteht darin, jederzeit – auch unter möglicherweise schwieriger werdenden operativen Rahmenbedingungen – eine sanitätsdienstliche Versorgung im Einsatz sicherzustellen, die der Maxime des Sanitätsdienstes in vollem Umfang gerecht wird. 


Für die Verfasser:

Oberstarzt Dr. Roland Schneider
JMed Einsatzführungskommando
Werderscher Damm 21 - 29
14548 Schwielowsee
E-Mail: Roland2Schneider@bundeswehr.org 

Alle Abbildungen: Einsatzführungskommando

Datum: 09.03.2020

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 4/2019