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ZUKUNFTSORIENTIERTE AUSRICHTUNG DER REGIONALEN SANITÄTSEINRICHTUNGEN

Der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr hat eine Analyse zur Lage der truppenärztlichen Versorgung mit dem Ziel der Erarbeitung von Vorschlägen zur Verbesserung der ambulanten sanitätsdienstlichen Versorgung angewiesen. Dazu wurde eine dienststellen- und fachübergreifende Arbeitsgruppe beim Sanitätsführungskommando mit umfassendem Auftrag eingerichtet.

 Die ambulante medizinische Versorgung unserer Soldaten ist seit nunmehr 50 Jahren Teil der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung. Diese überstand in ihrer Struktur, dem Modell einer integrierten Versorgung, die Zeit des kalten Krieges, sämtliche militärischen Umstrukturierungen sowie die weitreichenden Veränderungen im zivilen Gesundheitssystem. In den letzten Jahren jedoch haben veränderte militär- sowie gesundheitspolitische Vorgaben dazu geführt, dass die medizinische Versorgung innerhalb des Friedens- und Einsatzauftrages zunehmend an veränderten Maßstäben zu messen ist:

  • Führungsaufgaben innerhalb eines eigenen Organisationsbereiches ZSanDstBw zusätzlich zu den originären fachlichen Aufgaben
  • zunehmend am Einsatz orientierte, messbare, in ihrem Umfang definierte fachliche Kriterien (Befähigerkriterien)
  • eine sich verkleinernde Bundeswehr, zunehmende Dislozierung und wechselndes Patientenaufkommen
  • veränderte ökonomische Rahmenbedingungen sowie
  • erweiterte Ansprüche an Qualitätsmanagement und -sicherung durch den Gesetzgeber (z.B. §137ff SGB V).


Dies führte vor allem in den Bundeswehrkrankenhäusern (BwKrhs) früh und umfassend zu einem Transformationsprozess. Juni 2005 hat der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr eine Analyse zur Lage der truppenärztlichen Versorgung angewiesen und die Erarbeitung von Vorschlägen zur Verbesserung der ambulanten sanitätsdienstlichen Versorgung.
Das Sanitätsführungskommando (SanFüKdo) wurde daraufhin durch den Führungsstab des Sanitätsdienstes (Fü San I 1) mit der Bildung einer Arbeitsgruppe (AG) beauftragt. Als Aufgaben der AG wurden formuliert:

  • Sachstandserhebung (Ist-Analyse)
  • Erstellen von fachlichen Sollvorgaben sowie
  • Erarbeiten von Vorschlägen für Abhilfemaßnahmen bei Mängeln.


Dazu wurde die AG dienststellen- und fachübergreifend eingerichtet. Vertreter des Sanitätsamtes der Bundeswehr (SanABw) aus den Abteilungen III, IV sowie der Abteilung VI, Vertreter SanFüKdo (G1, G3, G4, Controlling und BeaGesWes) sowie der Abteilung Gesundheitswesen aller Sanitätskommandos (SanKdo) gehören der AG an. Hinzu kommen Mitglieder der Konsiliargruppe Allgemeinmedizin sowie unterstützend auch Leiter Leitsanitätszentren. Hervorgehoben sei die querschnittliche Einbeziehung des truppenzahnärztlichen Bereiches. Die AG wurde durch den Befehlshaber SanFüKdo im besonderen Aufgabenbereich dem stellvertretenden Befehlshaber SanFüKdo unterstellt. Die Leitung der AG erhielt der Beauftragte des Befehlshabers SanFüKdo für das Gesundheitswesen, OTA Prof. Dr. Dr. Grunwald. Der fachliche Auftrag der AG wurde durch SanFüKdo um die Ergänzung von truppen- und fachdienstlichen Kriterien erweitert. Die AG wurde als „AG zur zukunftsorientierten Ausrichtung der RegSanEinr“ benannt.

Für eine valide IST-Analyse über die Qualität der ambulanten Versorgung in den RegSanEinr ist es notwendig, zunächst Kriterien zu identifizieren, die sich am Informationsbedarf jeder Führungsebene orientieren und geeignet sind, Qualitäten zu messen und zu beschreiben. Diese können sein: Transparenz von Betriebsorganisation und Führungsvorgängen, Inhalte fachlicher Dienstaufsicht, Umfang fachlicher Aus- Fort- und Weiterbildung, Menge und Qualität medizinischer Leistungen und damit verbundene Kosten. Dabei erkannte Potenziale können damit frühzeitig durch die truppendienstlich und fachlich verantwortlichen Dienststellen umgesetzt werden. Das SanFüKdo führt bereits gezielte Maßnahmen der strukturierten, an fachlichen Befähigerkriterien orientierten Dienstaufsicht durch. Nach unserem Verständnis bedürfen die so resultierenden Maßnahmen zur Herstellung und zur Verbesserung von fachlicher Qualität in den RegSanEinr der Einbindung in den Gesamtprozess zur Transformation des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Am Ende dieses Prozesses kann die Formulierung von Fachlichen Forderungen zur Transformation der RegSanEinr stehen, die im Ergebnis einsatz- und qualitätsorientierte Normen und Kriterien umfassend berücksichtigen und verbindlich vorgeben. Ziel ist dabei eine ambulante medizinische Versorgung, die im Inland wie im Auslandseinsatz unter Beachtung von Einsatzerfordernissen den erforderlichen Qualitätsansprüchen genügt. Innerhalb dieses methodischen Rahmens werden derzeit die Sachthemen durch die AG bearbeitet. Es wurden vier Prüffelder identifiziert, die in ihrer Ausprägung die Ergebnisqualität der Arbeit in den RegSanEinr entscheidend und umfassend beeinflussen.:
Führung § Auftrag
Betriebsorganisation
und Auswirkungen der Organisationsgrundlagen 

Nach der Auswertung anfänglicher Erkenntnisse stellte die AG fest, dass zur Verbesserung der truppenärztlichen Versorgung zunächst die Schaffung einer ausreichenden Transparenz der vor Ort stattfinden Prozesse notwendig ist. Um dies zu gewährleisten, werden derzeit geeignete Instrumente durch die AG erarbeitet bzw. eingesetzt. Zur Verbesserung der Transparenz in den Bereichen Qualität, Umfang medizinischer Leistungen und Dienstaufsicht wurden durch den Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr im Oktober 2005 folgende Maßnahmen gebilligt:

  • Durchführung einer Analyse in RegSanEinr zur Ausprägung von betrieblicher Organisation, Qualitätsmanagement, Auftragsumfang, sowie Auswirkungen der Organisationsstrukturen
  • Erarbeitung einer einheitlichen, systematischen und prozessorientierten Matrix zur Dienstaufsicht in RegSanEinr
  • Konzeption eines Systems zur Erfassung medizinischer Leistungen und epidemiologischer Patientendaten im truppenärztlichen Bereich zur Erprobung in einem Pilotversuch
  • Ausfächerung der Durchführung von validierten Patientenzufriedenheitsbefragungen in RegSanEinr


Diese Maßnahmen setzt die AG derzeit in einer ersten Phase (November 2005 bis März 2006) um. Das Beteiligungsverfahren mit dem Bezirkspersonalrat ist eingeleitet. Schnittstellen zu sachverwandten und fachübergreifenden Projekten wurden frühzeitig besetzt: Einführung Kosten - Leistungs - Rechnung (KLR), Konzeption SASPF, administrativer Datenschutz, Beachtung veränderter künftiger Strukturvorgaben in RegSanEinr, bestehende praktikable Einzellösungen, das Meldewesen sowie die Einführung von Maßnahmen des Qualitätsmanagements in ambulanten Einrichtungen. Zu Ergebnissen der genannten Vorhaben wird die AG dem Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr bis Ende März diesen Jahres berichten, um anschließend fachliche Soll-Vorgaben zu formulieren. Nach der eingeleiteten Transformation der Bundeswehrkrankenhäuser werden nunmehr verstärkt die Rahmenbedingungen, die Ergebnisse und die Auswirkungen truppen(zahn)ärztlichen Handelns in den Fokus des fortschreitenden Transformationsprozesses im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr rücken. Dabei leistet die AG Beiträge zu einer zukunftsorientierten und -fähigen ambulanten medizinischen Versorgung innerhalb der Bundeswehr.

Datum: 01.01.2006

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2006/1